Interview zu „Mein Nach Hause gehen“

Eine Frau, Mitte Vierzig, geht für einige Wochen zu Fuß durch halb Deutschland und schreibt darüber.

Danach sagt sie: „Mehr noch als vor meinem Nach-Hause-Gehen wuchs in mir der Wunsch, das für mich oder zu mir passende Leben zu leben. Und ich spürte deutlicher, was offensichtlich nicht dazugehörte.

Autorentag sprach mit Inge Schlüter über ihr Buch „Mein Nach-Hause-Gehen“.

Autorentag:
Wenn du jemandem von deinem Nach-Hause-Gehen-Projekt erzählst (vorher, währenddessen oder nachher) – was ist die häufigste/überraschendste/nervigste Frage, die dir dazu gestellt wird?

Inge Schlüter:
Die häufigste war und ist definitiv die Frage, ob ich auf meinem Weg Angst hatte. Sicherlich hätte diese Frage deswegen auch gute Chancen gleichzeitig die nervigste zu sein, jedoch finde ich das Wort ein wenig zu hart. Interessant wäre zu erfahren, ob mir die Frage auch gestellt worden wäre, wenn ich ein Mann wäre. Überrascht hat mich, wie vielen Menschen die Information über die Anzahl der gegangenen Kilometer wichtig erschien. Das war eines der Dinge, die mich auf meinen Weg überhaupt nicht interessierten.

Autorentag:
Was war für dich eine große Herausforderung während des Nach-Hause-Gehens?

Inge Schlüter:
Mit meinem Nach-Hause-Gehen stellte ich mich erstmalig im Leben einem wochenlangen Unterwegssein ohne Begleitung: keine Freunde, kein Partner, keine Kinder, kein Hund-Katze-Maus! Desweiteres verlangte ich mir körperlich etwas ab, da ich das wochenlange Gehen mit einem schweren (ist natürlich relativ, aber für mich war er anfangs schwer!) Rucksack für viele Kilometer am Tag nicht gewohnt war. Das waren wirkliche Herausforderungen für mich, an die ich mich aber schnell gewöhnte. Das Alleinsein war nur wenige Tage ungewohnt und unangenehm und der Rucksack und ich wurden bald gute Freunde.

Autorentag:
Würdest Du jedem empfehlen, sich einmal auf den Weg zu machen?

Inge Schlüter:
Ich würde tatsächlich jedem empfehlen, sich irgendwann im Leben auf den Weg zu sich selbst zu machen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Warum? Weil nach meiner Erfahrung eine große Portion Selbstliebe und Entspanntheit dabei rauskommen kann! Der Weg kann aber meiner Meinung nach sehr vielfältig aussehen. Dass ich mich für das wochenlange alleine Gehen entschied, hat mit mir zu tun. Ein anderer sitzt und schweigt lieber; ein weiterer tanzt oder singt und wieder ein anderer setzt sich auf ein Motorrad oder klettert auf einen Berg.

Autorentag:
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus Deiner Wanderung?

Inge Schlüter:
Es gibt zusammengefasst nur eine: ICH KANN – Ende der Geschichte!

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